Andrea Zeyns (Bibliotheksdirektorin der UB der UdK Berlin): Frau Köhler, Sie sind erst seit Kurzem die neue Leiterin des Bereichs Benutzung. Wie war Ihr erster Eindruck von der Universitätsbibliothek der UdK Berlin?
Dorothea Köhler (Benutzungsleiterin der UB der UdK Berlin und Fachreferentin für Design und Film): Was mir von Beginn an besonders gut gefallen hat, ist, dass man an vielen Stellen im Bibliotheksraum merkt, dass man in der Universitätsbibliothek einer Kunsthochschule ist. Das fiel mir schon beim ersten Rundgang im Anschluss an das Auswahlgespräch im April 2025 auf. Ein alter Flügel, der sogar gespielt wird, die großformatigen Bilder einer Malerei-Professorin. Der Raum atmet die enge Beziehung zwischen künstlerischen Fakultäten und Bibliothek. Veranstaltungsprogramme wie die Adventsmusik zeigen das dann auch.
Andrea Zeyns: Wie waren die ersten Monate?
Dorothea Köhler: Aufregend, anders kann ich das nicht beschreiben. Zwei große Veränderungen fielen in meinen Beginn an der Bibliothek der UdK Berlin: Zum einen die 24/7-Öffnung, zum anderen die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf die Möglichkeiten im Servicebereich. Beides sehr herausfordernde Entwicklungen, insbesondere für den Benutzungsbereich.
Andrea Zeyns: Weshalb war das herausfordernd?
Dorothea Köhler: Ich komme ja aus einer sehr viel kleineren Bibliothek, dem Ibero-Amerikanischen Institut, was den Benutzungsbereich angeht (lacht). Daher musste ich mich erst einmal an die Größe des Hauses gewöhnen. Dass das dann auch 24 Stunden die Woche zugänglich ist, war für mich anfangs herausfordernd. Aber ich bin begeistert, wie gut das in Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen der UB der TU Berlin funktioniert. Was mich jedoch explizit interessiert, ist, wie die 24-Stunden-Öffnung von Studierenden der UdK Berlin genutzt wird.
Andrea Zeyns: Höre ich da raus, dass Sie das Thema Nutzer*innenforschung interessiert?
Dorothea Köhler: Ja, das stimmt, das interessiert mich sehr. Für mich ist Nutzer*innenforschung die Grundlage, um den Nutzenden exzellente Services anbieten zu können. Was für eine Rolle spielt Bibliothek insgesamt in der künstlerischen Ausbildung? Wo können wir noch besser unterstützen? Es steht ganz oben auf der Agenda.
Andrea Zeyns: Und, welche Veränderung gab es im Servicebereich?
Dorothea Köhler: Meine Zeit an der UdK Berlin startete gleich mit der Zusammenlegung von zwei Theken. Seit Januar 2026 bieten wir unsere Services in der 4. Etage an einem zentralen Ort an. Die Zusammenlegung war nötig, da aufgrund der Einsparungen des Berliner Senats Personalkapazitäten reduziert wurden, und dies zu einer hohen Arbeitsbelastung bei den Mitarbeitenden geführt hatte. Wir haben das neue Konzept mit einem Team erarbeitet, das sich aus Mitgliedern der beiden „alten Theken“ zusammensetzte. Aufgrund der Kürze der Zeit haben wir uns für ein agiles Format entschieden.
Andrea Zeyns: Wie ist das agile Arbeiten bei den Kolleg*innen angekommen?
Dorothea Köhler: Ich war sehr positiv überrascht, wie offen die Kolleg*innen sich auf diesen Prozess eingelassen haben und mit wie viel Engagement sie dabei waren. Sie waren von Anfang an zu hundert Prozent dabei, und wir haben in kurzer Zeit sehr gute Ergebnisse erzielen können. Mir fällt insgesamt auf, dass sehr flexibel gearbeitet wird, was mir äußerst gut gefällt.
Dorothea Köhler: Können Sie sich noch an Ihren Start an der UB erinnern?
Andrea Zeyns: Das kann sich heute bestimmt niemand mehr vorstellen. In meinen ersten Wochen im September 1990 durfte ich an der Katalogisierungsschulung mit Terminals, die an der FU Berlin hingen, teilnehmen (Berliner Monographienverbund).
Dorothea Köhler: Was war die größte Veränderung, die Sie in ihrer Amtszeit umgesetzt haben?
Andrea Zeyns: Wenn ich mal die letzten 10 Jahre unberücksichtigt lasse, weil sich in diesen Jahren sehr, sehr viel verändert hat, dann war es der Umzug 2004 in den gemeinsamen Neubau mit der UB der TU Berlin. Sechs Standorte mit Bibliotheksbestand und Mitarbeiter*innen an einem Ort zusammenzuführen – das war eine Herausforderung, die uns über mehrere Jahre begleitet hat.
Dorothea Köhler: Was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung des Benutzungsbereichs der Bibliothek?
Andrea Zeyns: Bei allen stetigen und notwendigen Veränderungen und bei aller Freude, Neues auszuprobieren, wünsche ich mir eine gewisse Ruhe und Sicherheit für die Kolleg*innen.
© Jens Ahner
Andrea Zeyns
© Benjamin Mossop
Dorothea Köhler




