Ein Noteingang in der Bereichs­bibliothek Physik der TU Berlin

Gemeinsam mit der Mathematischen Fachbibliothek und Die Bibliothek Wirtschaft & Management (DBWM) der TU Berlin beteiligt sich die Bereichsbibliothek Physik an der berlinweiten Kampagne „Aktion Noteingang“. Angestoßen wurde der Prozess durch die Initiative von Jan Erdnüß, Leiter der Mathematischen Fachbibliothek, der das Thema in die Bibliotheken hineingetragen und die Umsetzung maßgeblich ins Rollen gebracht hat. Etwas mehr als ein Jahr hat es anschließend gedauert, bis die Noteingänge an der TU Berlin eingerichtet werden konnten. Ein langer, stellenweise mühsamer Prozess, der sich am Ende gelohnt hat.

Was ist ein Noteingang und warum machen wir mit?

Ein Noteingang ist eine öffentlich zugängliche, personell besetzte Einrichtung, die durch einen Aufkleber an der Eingangstür signalisiert:
„Wenn du Diskriminierung erfährst oder dich bedroht fühlst, kannst du hier Schutz und Unterstützung finden.“

Diese Unterstützung kann sein:

  • ein Angebot, sich kurz aufzuhalten oder zur Ruhe zu kommen
  • ein Gespräch mit Mitarbeitenden vor Ort, die zuhören
  • Hilfe beim Kontaktieren von Vertrauenspersonen, Sicherheitsdiensten oder der Polizei
  • Hinweise zu TU-internen oder externen Beratungs- und Anlaufstellen

Die Bereichsbibliothek Physik ist bereits ein offener Lernort auf dem Campus und bietet einen geschützten Raum zum konzentrierten Lernen und Arbeiten. Studierende und Forschende verbringen täglich viele Stunden bei uns. Ein respektvoller, diskriminierungssensibler Umgang ist für uns selbstverständlich. Mit dem Noteingang machen wir diese Haltung sichtbar – und unterstützen zugleich die Antidiskriminierungsarbeit der TU Berlin.

Schulung, Anforderungen und interne Abstimmung

Fast das gesamte Team, einschließlich der Bibliotheksservicekräfte, nahm an einer Schulung zum Thema Hassgewalt und sensibler Umgang mit Betroffenen teil. Organisiert wurde die Schulung von der Amadeu Antonio Stiftung. Dabei ging es nicht nur um Informationen, sondern vor allem um Handlungssicherheit:

  • Was kann passieren?
  • Wie reagieren wir angemessen?
  • Wie vermitteln wir weiter?

Dabei wurde deutlich, dass es nicht darum geht, eine professionelle Informations-, Beratungs- oder Beschwerdestelle zu sein, sondern Betroffenen zugewandt und mit offenem Ohr zu begegnen sowie ein klares Signal der Solidarität zu setzen.

Von Beginn an wurden verschiedene Gremien einbezogen, um die Teilnahme gut abzusichern und perspektivisch auch anderen Bereichen der Universität den Weg zu ebnen. In Abstimmung mit dem Personalrat sowie der Stabsstelle Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz (SDU) wurde eine Gefährdungsbeurteilung erstellt. Dafür haben wir realistische Szenarien beschrieben, die im Zusammenhang mit einem Noteingang auftreten könnten, und für jedes Szenario konkrete Abläufe festgelegt. Teilweise konnten wir auf bestehende Notfallstrukturen zurückgreifen, teilweise wurden Prozesse geschärft oder ergänzt.

Zudem wurde eine Abfrage möglicher psychischer Belastungen am Arbeitsplatz durchgeführt. Uns war wichtig, mögliche Unsicherheiten oder Ängste frühzeitig zu erkennen und offen zu besprechen.

Die Einführung des Noteingangs haben wir außerdem genutzt, um uns im Team noch einmal grundlegend über Sicherheit, Notfallmaßnahmen und Zuständigkeiten auszutauschen. Dieser Prozess hat nicht nur Klarheit geschaffen, sondern auch das Vertrauen in unsere gemeinsamen Abläufe gestärkt.

Einführung und Wirkung

Ein besonderer Moment war die Eröffnungsveranstaltung in der Mathematischen Fachbibliothek. Dort unterstrichen Sagi Schäfer (Beratungs- und Beschwerdestelle der TU Berlin) und Martin Vahemäe-Zierold (Beauftragte Person für Queer und Antidiskriminierung beim Bezirksamt Mitte) die Bedeutung sichtbarer Zeichen gegen Diskriminierung.

Mit der offiziellen Einführung konnten wir schließlich auch in der Bereichsbibliothek Physik den Aufkleber gut sichtbar am Eingang anbringen. Bisher wurde unser Noteingang noch nicht in Anspruch genommen, was wir durchaus als positives Zeichen verstehen. Wahrgenommen wird er jedoch, denn der knallpinke Aufkleber fällt sofort ins Auge.

Für uns als Team hat die Teilnahme ebenfalls einen Mehrwert: Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema hat Abläufe geschärft, Zuständigkeiten geklärt und das gemeinsame Verständnis von Sicherheit und diskriminierungssensiblem Handeln gestärkt. Der Noteingang ist damit nicht nur ein sichtbares Zeichen nach außen, sondern auch Ausdruck unserer gemeinsamen Haltung. Wir sind stolz darauf, einen weiteren sicheren Ort auf dem Campus sichtbar zu machen – einen Ort, an den sich unsere Nutzer*innen erinnern, falls sie einmal Unterstützung benötigen.

© Privat

Dr. Wiebke Petersen