Die Deutsche Gartenbaubibliothek ist die größte Spezialbibliothek für Gartenliteratur in Deutschland. Sie bewahrt ein einzigartiges gartenkulturelles Erbe, das über die Grenzen Europas hinaus bekannt ist. Ihr 60-jähriges Bestehen an der Universitätsbibliothek der TU Berlin wurde am 20.11.2025 mit dem Symposium „Zusammen Wachsen“ gefeiert, das zeigte, wie historisches „grünes Wissen“ Impulse für die Stadt von morgen geben kann.
Vom Kräuterbuch zum E-Journal
Die Bibliothek geht auf die „Bücherei des Deutschen Gartenbaues“ zurück, die 1965 als Dauerleihgabe an die TU Berlin überging. Heute umfasst die Sondersammlung über 66.000 Medien aus den Bereichen Gartenbau, Gartengeschichte und Gartenkunst. Sie bietet aktuelle Fach- und Studienliteratur sowie historische Monografien, Zeitschriften und Archivalien. In Kooperation mit dem Trägerverein „Deutsche Gartenbaubibliothek e. V.“ wird dieses Wissen zu Pflanzen, Böden, Klima und Landschaften langfristig als Kulturgut bewahrt und öffentlich zugänglich gemacht.
Zu den Besonderheiten der Sammlung zählen seltene Literaturgattungen aus dem 16. Jahrhundert, darunter Kräuterbücher, Kunst- und Wunderbücher sowie sogenannte „Hausvaterbücher“ – frühe Ratgeber, die sich mit Fragen der Haushaltsführung, des Familienlebens und der Landwirtschaft befassen. Darüber hinaus bewahrt die Bibliothek prachtvoll kolorierte Blumen- und Pflanzenbücher von besonderem künstlerischem und wissenschaftlichem Wert. Der umfassende Zeitschriftenbestand seit dem späten 18. Jahrhundert ist europaweit einzigartig. Durch kontinuierliche Digitalisierungsmaßnahmen entsteht ein digitales Wissensarchiv, das weltweit Einblicke in historische Garten(bau)praxis, Botanik und die Kunst des Gärtnerns ermöglicht.
„Zusammen Wachsen“
Beim Jubiläumssymposium „Zusammen Wachsen“ diskutierten Expert*innen aus den Bereichen Landschaftsarchitektur, Umweltplanung und Denkmalpflege praxisnah und interdisziplinär über Zukunftsperspektiven für die Stadt von morgen. Über hundert Gäste verfolgten im ausgebuchten Hörsaal die Beiträge zu urbanem Grün, essbaren Stadtkonzepten und klimaresilienter Bepflanzung. Der Verein Deutsche Gartenbaubibliothek e. V. stellte seine digitale Sammlung „European Nursery Catalogue Collection“ vor und beleuchtete in einem Festvortrag die Verbindung von Ästhetik und Selbstversorgung in historischen Küchengärten.
Mit der Ausstellung „Schön und nützlich – Historische Küchengärten“ erhielt ein Studienprojekt der Gartendenkmalpflege eine Bühne in der Universitätsbibliothek. Es wurden neue Konzepte für die Küchengärten in den Schlossanlagen Nymphenburg, Belvedere Weimar und Sanssouci präsentiert – basierend auf historischem Quellenmaterial aus dem reichen Fundus der Bibliothek.

Grüne Perspektiven
Die Deutsche Gartenbaubibliothek versteht sich nicht als Archiv der Vergangenheit, sondern als Brücke in die Zukunft. Sie trägt mit ihrer traditionsreichen Sammlung und vielfältigen digitalen Angeboten dazu bei, den Fragen des Klimawandels, der Nahrungsmittelsicherheit und der nachhaltigen Stadtentwicklung zu begegnen. Als lebendiger Ort des Austauschs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit will sie sich fachlich weiter vernetzen und bürgerschaftliches Engagement fördern.
Unsere Bibliothek ist ein lebendiger Garten des Wissens, der wächst, Früchte trägt und Perspektiven für eine grüne, lebenswerte Umwelt eröffnet.
Sylvia Butenschön, 1. Vereinsvorsitzende Deutsche Gartenbaubibliothek e.V.

Meilensteine aus 60 Jahren Gartenbaubibliothek
- 1965: Übergabe der „Bücherei des Deutschen Gartenbaues“ als Dauerleihgabe an die UB der TU Berlin
- 1970-1980er: Umzug aus dem „Haus des Deutschen Gartenbaues“ in das Hauptgebäude der TU Berlin, 1982 in die neu angemieteten Räume in der Franklinstraße
- 1990er Jahre: Erste gartenbauliche Fachzeitschriften und Hauptwerke der Pomologie online zugänglich, spezialisierte Datenbanken entstehen
- 2004: Eröffnung des Bibliotheksneubaus in der Fasanenstraße 88; die Gartenbaubibliothek zieht als Sondersammlung in den Neubau ein
- 2015: Ausstellung „Gartenkultur pur“ anlässlich des 50-jährigen Jubiläums
- 2017: Umbenennung von Bücherei und Trägerverein in „Deutsche Gartenbaubibliothek (e.V.)“; Ausstellung „Berlins grüne Orte“ zur Internationalen Gartenausstellung Berlin
- 2020: Rund 14.000 Sonderschriften und Archivalien in das Wissensportal Primo eingepflegt und umfassend recherchierbar (gefördert durch die LOTTO-Stiftung Berlin)
- 2019: Notfallplan ausgearbeitet, in dem die Gartenbau-Bestände als besonders schützenswert und prioritäres Kulturgut eingestuft werden
- 2021–2023: Digitalisierung der „Zanderkartei“ mit 179.000 Karteikarten und Online-Zugang über die Digitalisierten Sammlungen der Universitätsbibliothek seit März 2023
- 2024: Beitritt zur European Botanical and Horticultural Libraries Group (EBHL) als institutionelles Mitglied
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Kathrin Woywod



